
Dienstag, 11. April 2006
bro.
In nördlichen Gefilden erkranken mehr Menschen an Krebs als in südlichen Ländern, in denen die Sonne öfter und intensiver scheint. Das könnte daran liegen, dass der Körper im Norden weniger Vitamin D produziert als im Süden. Denn zur Herstellung des Vitamins braucht er UV-Licht. Ein hoher Vitamin-D-Spiegel beuge Krebsleiden vermutlich vor, schreiben Mediziner um Edward Giovannucci von der Harvard School of Public Health in Boston, Massachusetts, in der Fachzeitschrift Journal of the National Cancer Institute (JNCI).
Das Team um Giovannucci bezog in seine Untersuchung 47 800 Männer ein, die bei Studienbeginn im Jahr 1986 frei von Krebserkrankungen waren. Die Probanden wurden ausgiebig nach ihren Lebens- und Essgewohnheiten befragt. Anhand ihrer Angaben zur Ernährung, der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, dem Gewicht, den Freizeitaktivitäten, dem Pigmentierungstyp der Haut und der geografischen Breite des Wohnorts schätzten die Forscher den Vitamin-D-Spiegel der Studienteilnehmer.
Bis zum Jahr 2000 erkrankten 4 286 Probanden an Krebs, 2 025 starben daran. Die Auswertung ergab, dass ein besonders geringer Vitamin-D-Gehalt offenbar das Krebsrisiko erhöht. Hochgerechnet treten in dieser Gruppe pro hunderttausend Menschen jährlich 758 Krebserkrankungen und 326 Todesfälle auf; bei Probanden mit hohem Vitamin-D-Spiegel kommt es nur zu 674 Erkrankungen und 272 Todesfällen. Vor allem Tumore des Verdauungstrakts kamen bei einem hohen Vitamin-D-Gehalt auffallend seltener vor, berichten Giovannucci und seine Kollegen.
Wie Vitamin D vor Krebs schützt, ist noch unklar. Möglicherweise dockt das Vitamin an Rezeptoren der Krebszellen an und blockiert deren Wachstum. Auf Krebszellen der Haut und des Blutes haben Forscher zumindest derartige Rezeptoren gefunden. Weitere Studien müssten nun rasch folgen, fordert Gary Schwartz von der Wake Forest University in Winston-Salem in einem Kommentar. Denn wenn sich die Ergebnisse der Harvard-Forscher bestätigen ließen, könnte ein täglicher kurzer Spaziergang im Freien ein wichtiger Schritt in Richtung Krebsprävention sein. (bro.)
(Quelle) http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wissenschaft/541705.html
Da der Link nicht mehr funktionierte, habe ich den Text des ursprünglich verlinkten Artikels an dieser Stelle hinterlegt.