Hautkrebs durch Sonnenlicht - ein Mythos

Thomas Klein

 

Man muß das Wahre immer wiederholen,
weil auch der Irrtum um uns her
immer wieder gepredigt wird;
und zwar nicht nur von Einzelnen,
sondern von der Masse.
In Zeitungen und Enzyklopädien,
auf Schulen und Universitäten
- überall ist der Irrtum obenauf!
Und es ist ihm wohl und behaglich - im Gefühl der Majorität,
die auf seiner Seite ist.

Goethe

Die Überschrift „Hautkrebs durch Sonnenlicht - ein Mythos“ erscheint kühn. Aber die wissenschaftliche Literatur spricht im Gegensatz zu pseudowissenschaftlichen Publikationen eine klare Sprache. Die Behauptung ist unhaltbar, UV-Strahlung verursache Hautkrebs und die Sonne sei zu meiden. An diesem Irrtum ändert sich auch nichts, wenn er beständig in Zeitungen und Büchern wiederholt wird, im Fernsehen und Radio, auf Schulen und Universitäten. Die Meinung der Masse ist noch lange kein Beleg für die Wahrheit. „Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben“, sagt Bertrand Russell. Und Jean Giraudoux stellt fest: „Man erkennt den Irrtum daran, daß alle Welt ihn teilt.“ In diesem Sinne auch Mark Twain: „Wenn du merkst, daß du zur Mehrheit gehörst, wird es Zeit, deine Meinung zu ändern.“

Georg Christoph Lichtenberg empfiehlt: „An nichts muß man mehr zweifeln als an Sätzen, die zur Mode geworden sind. ... Die gemeinsten Meinungen und was jeder für ausgemacht hält, verdient oft am meisten untersucht zu werden.“ Es sei dieser Maxime gefolgt und an alle Journalisten und Ärzte, die Angst vor der Sonne schüren und der Sonne die Schuld am Hautkrebs geben, die Frage gerichtet, auf welche Forschungen sie ihre Meinung stützen. Peinliche Ausflüchte werden die Antwort sein, etwa derart, das wisse doch jeder, das sei schon längst bewiesen, die Wissenschaftler seien sich einig – als ob dies Argumente wären. Mit anderen Worten: Keiner vermag seine Meinung wirklich zu begründen. Gerüchte und Meinungen werden ungeprüft weitergegeben, und so entstehen schließlich Mythen.

Die Meinung, Sonnenlicht verursache Hautkrebs, hat sich mittlerweile in so viele Hirne eingebrannt, daß zahlreiche Menschen ängstlich die Sonne meiden, ohne zu ahnen, wie sehr sie sich mit der Vernachlässigung eines ihrer wichtigsten Lebensbedürfnisse schaden.

Die Relativierung der Hautkrebsgefahr

Angenommen, die Sonne würde alle Hautkrebsfälle verursachen, so wäre es trotzdem nicht klug, der Sonne zu entfliehen. Das Risiko an Hautkrebs zu sterben, ist nämlich weitaus geringer als die Gefahr, aufgrund von Sonnenmangel an einer anderen Krebserkrankung zu sterben oder sich brüchige Knochen einzuhandeln und dann an den Folgen eines komplizierten Oberschenkelhalsbruches vorzeitig zu sterben.

Nur sehr wenige Menschen sterben an einem Basalzell- oder Plattenepithelkarzinom. Weniger als 0,5 Prozent der Patienten, denen solch ein Hautkrebs diagnostiziert wird, sterben daran. 1.200 Todesfälle sind jährlich in den USA zu verzeichnen. Melanome sind seltener und stellen nur 10 Prozent aller Hautkrebsfälle dar, doch sind 85 Prozent aller tödlich endenden Hautkrebsfälle darauf zurückzuführen. Jährlich sterben 7.000 Menschen in den USA daran.

In der Summe sind es 8.200 Todesfälle durch Hautkrebs. Andererseits sterben jährlich mehr als eine Million Bürger der USA an Krebs. Wohl mindestens 100.000 Krebstote ließen sich durch regelmäßiges und ausgiebiges Sonnenbaden verhüten. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, daß bei amerikanischen Frauen das Risiko eines Krebstodes aufgrund von Sonnenmangel 55mal höher ist, als an einem Melanom zu sterben. Es ist also töricht, die Sonne zu meiden, und das selbst unter der Annahme, daß Sonnenlicht alle Hautkrebsfälle verursache.

Sonnenmangel begünstigt auch Osteoporose. 25 Millionen Amerikaner leiden unter dem Schwund von Knochenmasse und der Versprödung ihrer Knochen. Jedes Jahr erleiden 1,5 Millionen osteoporosebedingte Knochenfrakturen. Je nach Statistik und Beobachtungszeit sterben 20 bis 30 Prozent an den Folgen eines Knochenbruchs. Das sind 300.000 bis 450.000. Die Hälfte der 1,5 Millionen stirbt zwar nicht direkt an den Folgen des Bruches, aber sie müssen bleibende Schäden und Einschränkungen hinnehmen, in deren Folge viele alte Menschen pflegebedürftig werden. Das beschleunigt ihren gesundheitlichen Verfall. Dabei ließen sich diese Zahlen deutlich senken. Hunderttausende von Menschen, die vorzeitig aufgrund von Osteoporose sterben, könnten durch die Sonne gerettet werden.

Die Zahl der Hautkrebstoten ist unbedeutend gegenüber der Zahl jener, die aufgrund von Sonnenmangel an Krebs, Immunschwäche, Herz- und Kreislaufkrankheiten oder an den Folgen eines osteoporosebedingten Knochenbruches sterben.

 

Sonnenlicht schützt vor Hautkrebs

Die Annahme, dass regelmäßiges und wohldosiertes Sonnenbaden Hautkrebs verursacht, ist falsch. Vielmehr belegen viele Untersuchungen genau das Gegenteil: maßvolles Sonnenbaden mindert das Hautkrebsrisiko.

1. Bösartige Melanome, die gefährlichste Form der Hautkrebserkrankungen, treten am häufigsten an Körperstellen auf, die nicht oder nur selten der Sonne ausgesetzt werden, zum Beispiel an den Fußsohlen, am Gesäß, an den Leistenbeugen oder den Rückseiten der Beine.
Die Häufigkeitsverteilung der Melanome am Körper ist mit der Sonne als möglicher Ursache unvereinbar. Melanome treten an Brust und Rücken 4,5mal häufiger auf als an den Armen und fast 10mal so oft wie am Kopf. Die Melanom-Häufigkeit liegt an Bauch und Gesäß beim 6fachen gegenüber der am Kopf.
Aber Bauch und Gesäß werden nur selten der Sonne ausgesetzt im Gegensatz zum Kopf. In Schottland wurde festgestellt, dass Melanome an den Füßen fünfmal häufiger vorkommen als an den Händen. In Japan treten 40 Prozent aller Melanome an den Füßen und den Fußsohlen auf. Wenn Sonnenlicht die Ursache wäre, würde es sich anders verhalten: Melanome müßten an den Händen auftreten, nicht an den Füßen.

2. Melanome können sogar an inneren Organen, an Schleimhäuten, der Hirnhaut und im Auge vorkommen, wo keine Sonnenstrahlung hingelangt.

3. Menschen, die im Freien arbeiten, bekommen im Durchschnitt seltener Hautkrebs als Büroangestellte. Eine Studie aus den USA brachte sogar große Unterschiede zutage: Bei Büroangestellten traten Melanome sechsmal häufiger auf als bei Männern, die im Freien arbeiteten. Berücksichtigt wurden Freiluftarbeiter wie Gärtner, Bauern, Landarbeiter, Förster, Schäfer, Rancher, Landschaftsgestalter, Eisenbahnarbeiter, Fischer, Seeleute, Personen, die an Deck auf Schiffen arbeiten, Dachdecker, Maurer, Bauarbeiter, Maler, Zimmerleute, Straßenarbeiter, Müllmänner, Fensterputzer, Postboten, Milchmänner, Leute, die nach Wasser und Erdöl bohren.
Weitere Studien bestätigen diese Ergebnisse. Parallel verlaufende Untersuchungen an der London School of Hygiene and Tropical Medicine und der Melanomklinik der Universität Sydney ergaben, dass bösartige Melanome weit häufiger bei Büroangestellten und Stubenhockern vorkamen als bei Personen, die in Beruf oder Freizeit häufig an der Sonne waren. Das Melanomrisiko bei Büroangestellten, die den ganzen Tag unter fluoreszierendem Licht von Leuchtstoffröhren arbeiteten, war doppelt so hoch. Weitere Forschungen ergaben, dass fluoreszierende Bürobeleuchtung Mutationen in Tierzellkulturen auslösen kann. Es wurde das Fazit gezogen: „Sowohl in Australien als auch in Großbritannien waren die Melanomzahlen bei Büroangestellten hoch, aber niedrig bei Personen, die im Freien arbeiteten.“ Auch Untersuchungen an der New York University School of Medicine bestätigten diese Erkenntnisse.
Untersuchungen bei der amerikanischen Marine ergaben, dass selbst Matrosen, die an Deck der Schiffe arbeiteten, trotz der intensiven und anhaltenden UV-Bestrahlung auf dem Meer nur ein Hautkrebsrisiko von 24 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der amerikanischen Männer aufwiesen. Hunderttausende von Matrosen wurden dabei berücksichtigt. Bemerkenswert war zudem, dass die Matrosen, die unter Deck arbeiteten und somit kaum der Sonne ausgesetzt waren, häufiger an Hautkrebs erkrankten als die Matrosen, die ihren Dienst an Deck verrichteten. Außerdem entwickelte sich bei den Matrosen an Deck der Hautkrebs vorwiegend an Stellen, die von der Uniform bedeckt gewesen sind.
Eine Befragung von 3000 Lymphom-Patienten in Skandinavien ergab, dass Sonnenanbeter seltener daran erkranken, selbst wenn sie häufig Sonnenbrand bekamen. Eine zweite Kontrollstudie mit mehr als 500 Melanom-Patienten führte zu dem Ergebnis, dass Sonnenliebhaber seltener betroffen waren.

4. Von 1980 bis 2000 kam es zu einer Verdopplung der Hautkrebsrate in Deutschland, obwohl die UV-Einstrahlung unverändert geblieben ist. Die Menschen sind bestimmt nicht öfter in die Sonne gegangen als früher, eher weniger. Außerdem dürfte sich aufgrund der Anwendung von Sonnenschutzmitteln die durchschnittliche UV-Einstrahlung auf die Haut deutlich verringert haben. In vielen Ländern schnellte die Zahl der Melanomfälle steil nach oben, ab 1955 von etwa 2 bis 3 je 100.000 Einwohner auf

26 in Neuseeland (1990),
17 in Norwegen (1993),
15 in den USA (1995),
11 in Dänemark (1990),
11 in Schweden (1994).

Mit verstärkter UV-Bestrahlung läßt sich ein solch starker Anstieg um Faktor 5 bis 10 nicht erklären. Immer mehr Menschen verbringen fast ihr ganzes Leben in geschlossenen Räumen. Würden Melanome durch die Sonne verursacht, hätte die Zahl der Melanomfälle sinken müssen. Aber das Gegenteil ist eingetreten. In Schweden lag die Melanomrate im Jahre 1912 nahezu bei Null. Es starb auch kaum jemand daran. Bis 1955 erhöhte sich die Melanomrate ganz langsam auf niedrige Werte, um danach steil anzusteigen und 11 Melanomfälle im Jahre 1994 zu erreichen. Die Ursachen sind somit woanders zu suchen als bei der Sonne.

5. In Norddeutschland ist eine höhere Melanom-Häufigkeit zu verzeichnen als im sonnenreicheren Süddeutschland.

6. Die Hautkrebsrate unterscheidet sich erheblich innerhalb der EU, wie die folgende Tabelle zeigt. In den sonnenarmen skandinavischen Ländern wird am häufigsten Hautkrebs festgestellt, in den sonnenverwöhnten Mittelmeerländern liegen die Zahlen erstaunlich niedrig. Die Südländer leben nicht nur unter intensiverer Sonneneinstrahlung, sondern halten sich auch öfter und länger im Freien auf. In Spanien leben viele Menschen im Hochland und sind aufgrund der Höhenlage und der sauberen Luft einer noch stärkeren UV-Strahlung ausgesetzt, als dies allein durch die südliche Lage gegeben ist.

  Männer Frauen
Schweden 14 13
Finnland 10 8
Niederlande 9 12
Deutschland 7,5 9
Österreich 8 7
Belgien 5,5 9
Großbritannien 5,5 8,5
Frankreich 5,5 7
Italien 4,5 9
Irland 4 8,5
Spanien 3,5 4,5
Portugal 2 6
Griechenland 2 4,5

Tabelle 1: Zahl der Hautkrebsfälle in Europa je 100.000 Einwohner. Anzahl der neu diagnostizierten Fälle in den 1990er Jahren.

7. Noch vor hundert Jahren hat ein großer Teil der Menschen in den heutigen Industrieländern im Freien gearbeitet: Bauern, Gärtner, Landarbeiter, Fuhrknechte, Maurer, Dachdecker, Laufburschen, Marktfrauen, Postboten. Heute arbeitet nur noch ein Zehntel der Erwerbstätigen im Freien. Damals, als ein großer Teil des Volkes sein Arbeitsleben im Freien verbrachte, gab es so gut wie keinen Hautkrebs, selbst wenn die Zahlen mit der niedrigeren Lebenserwartung bereinigt werden. Seit 1955 dagegen, als eine ständig wachsende Zahl von Menschen in geschlossenen Räumen arbeitete, sind die Hautkrebszahlen angestiegen.

8. Der weltweite Vergleich entkräftet ebenfalls die Theorie, Hautkrebs sei auf Sonnenlicht zurückzuführen. Man beachte die extrem niedrigen Hautkrebsraten in tropischen Ländern, in Wüstenländern wie Oman und Algerien, und besonders in tropischen Hochländern (Mexiko, Äthiopien, Kenia). Die meisten Menschen in tropischen Ländern verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Freien. Sonnenschutzmittel sind nicht üblich. In den Hochländern der Tropen ist die UVB-Intensität im Jahresdurchschnitt etwa zehnmal höher als in den Industrieländern.

Diese acht Punkte führen zu dem Schluß, dass Hautkrebs nicht durch Sonnenlicht verursacht wird. Die beiden schwedischen Wissenschaftler Hallberg und Johansson gaben einer ihrer Studien bezeichnenderweise den Titel „Malignant melanoma of the skin – not a sunshine story“. (Bösartige Melanome sind nicht auf die Sonne zurückzuführen). Die Behauptung, Hautkrebs werde durch Sonnenbaden verursacht, ist somit als widerlegt zu betrachten. Lediglich falsches und übermäßiges Sonnenbaden kann das Hautkrebsrisiko erhöhen, und auch der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln mit toxischen Inhaltsstoffen kann die Hautkrebsgefahr steigern.

Trotz dieser erdrückenden Beweislage behaupten viele Ärzte weiterhin, Sonnenlicht verursache Hautkrebs. Sie halten an diesem Dogma fest und ignorieren die Forschung. Der Dermatologe Jason Rivers stellt, jeden Widerspruch ausschließend, in einem Fachartikel fest: „Sonnenlicht ist die Hauptursache für die Entstehung von Hautmelanomen.“ Aber schon im übernächsten Satz widerspricht er sich selbst: „Paradoxerweise haben Menschen, die im Freien arbeiten, ein geringeres Risiko, daran zu erkranken, als Menschen, die in geschlossenen Räumen arbeiten; dies deutet darauf hin, dass häufige Bestrahlung mit Sonnenlicht eine Schutzwirkung haben kann.“

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