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Leinöl versus Fischöl

Wie sinnvoll ist es, DHA und EPA als Nahrungsergänzung zu sich zu nehmen?

Jedem Leser dieser Seiten sind sie schon begegnet: Nahrungsergänzungsmittel, welche DHA (oder auch DHA und EPA) enthalten. Angeboten werden sie in Form von Fischölkapseln (Tiefseefische enthalten größere Mengen dieser beiden Omega-3 Fettsäuren) oder, da "vegan" aktuell 'in' ist, auch Kapseln, welche diese Fettsäuren direkt aus Algen gewonnen enthalten. Außerdem tauchen immer mehr Nahrungsmittel auf, welchen diese Fettsäuren zugesetzt werden. Wenn Sie einmal "DHA EPA" bei Google eingeben, werden Sie erstaunt feststellen, um was für eine tolle Substanz es sich da handelt. Ob dem so ist und worum es sich dabei eigentlich handelt, soll dieser Artikel ein wenig beleuchten und auch der Frage nachgehen, wer denn einen Gewinn aus diesen Produkten zieht: Der Produzent, der gesundheitsbewusste Verbraucher oder vielleicht beide?

Anfang Dezember (2015) setzte mich ein erst vor kurzem auf YouTube veröffentlichtes Video von Dr. med. Dietrich Klinghardt in großes Erstaunen und - ich gebe es zu - es bereitete mir auch eine gewisse Genugtuung. Für diejenigen, denen dieser Name noch nicht begegnet ist:

Dr. Klinghardt ist ein Arzt deutscher Herkunft, der aber in erster Linie in den Staaten praktiziert. Er hat sich in den letzten Jahrzehnten in alternativ-medizinischen Kreisen durch seine Arbeiten zur Neurobiologie und vor allem durch das Entgiftungsverfahren mit Hilfe von Chlorella, Bärlauch und Koriander einen Namen gemacht. Während meiner Recherchen auf dem Gebiet der alternativen Krebstherapien ist er mir vor allem mit seinem Entgiftungsverfahren immer wieder einmal begegnet. Es gibt da im Handel (DVD) und auch auf YouTube sehr interessante Vorträge von ihm.

Woran ich mich bei seinen Vorträgen aber regelmäßig gerieben hatte war die Tatsache, dass er immer wieder sehr deutlich darauf hinwies, dass die Zufuhr von Omega-3 - Fettsäuren pflanzlicher Herkunft mehr oder weniger sinnfrei sei, da der menschliche Organismus nur einen geringen Prozentsatz dieser Fettsäuren in die so wichtigen Fettsäuren DHA (0,5%) und EPA (5-10%) umwandeln könne. Leinöl hielt er aus diesem Grund für unpassend und betonte die Bedeutung von Fischöl (in Kapselform), da nur hierdurch der Bedarf an DHA und EPA gedeckt werden könne.

Zum Verständnis des hier Besprochenen noch eine kurze Erläuterung:

Omega-3 Fettsäuren sind Kohlenstoffketten, deren Gemeinsamkeit das Vorhandensein von drei oder mehr ungesättigten Bindungsstellen ist, von denen die erste sich an der dritten C-C-Verbindung der Kette befindet. Daher kommt die Zahl 3 in Omega-3. In unserem Zusammenhang ist die a-Linolensäure interessant, da es sich dabei um die Omega-3 Fettsäure handelt, die uns durch das Leinöl zur Verfügung gestellt wird. Sie besteht aus 18 Kettengliedern, von denen drei eine ungesättigte Bindungsstelle aufweisen. Man bezeichnet diese Fettsäure auch als essenziell, was bedeutet, dass der Organismus sie nicht selber herstellen kann und sie deshalb von außen über die Nahrung zugeführt werden muss.

Diese alpha-Linolensäure (ALA) wird nun zu einem Teil im Organismus zu einem kleinen Teil in noch zwei weiteren Omega-3 Fettsäuren, mit längerer Kettenstruktur und einer noch größeren Anzahl an ungesättigten Bindungsstellen, weiterverarbeitet. Die eine ist die Fettsäure EPA (20 Kettenglieder und 5 ungesättigte Bindungen) und die andere heißt DHA, noch länger (22 Kettenglieder) und noch eine ungesättigte Bindung mehr (6 ungesättigte Bindungsstellen).

Klinghardt ist nun also auf Grund "neuerer Studien" umgeschwenkt und hält nun das Leinöl für die bessere Alternative, jedenfalls für Menschen ab dem 20. Lebensjahr. Das hängt damit zusammen, dass der Organismus im Aufbau und Wachstum erst langsam in die Lage versetzt wird, diese Umwandlung von ALA zu DHA und EPA durchzuführen. Schauen Sie sich jetzt dazu vielleicht erst einmal das Video an (Dauer: knapp 6 Min.):

 

Wie ist Ihr persönlicher Eindruck?

Meine Gefühle beim Ansehen des Videos waren doch sehr zwiespältig. Zum einen war ich froh, dass er nun das Leinöl präferiert und zu dem auch noch Dr. Budwig erwähnt, zum anderen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er bis heute von der Arbeit Dr. Budwigs (die er als "Ärztin" bezeichnet, was sie nie war) leider noch immer keinen blassen Schimmer hat. Auch die Machart des Videos, die Präsentation dieses (für ihn) neuen Sachverhaltes, fand ich leider nicht besonders sachlich und wenig in das Thema und die Hintergründe eintauchend. Sie wirkte auf mich leider eher wie ein Reklamefeldzug für einen ganz bestimmten Leinölproduzenten. Ein weiterer Blick auf die anderen Videos seines YouTube-Kanals zeigt ihn neben einem ganzen Berg von Produkten des gleichen Herstellers. Schade!

Als nächstes habe ich mich auf gemacht und etwas zu dem von ihm erwähnten Prof. Brian Peskin und dessen Forschungsergebnissen recherchiert.

Leider war ich auch hier einigermaßen enttäuscht, zumindest über sein etwas übersteigerndes Ego ("The world’s leading physiologic EFA expert — Prof. Brian Peskin"). Aber zuerst zu den positiven Ergebnissen dieser Recherchen:
Mit Recht stellt Peskin fest, dass es inzwischen unzählige Studien gibt, die keinerlei positive Auswirkungen durch die Einnahme von Fischölpräparaten (reich an EPA und DHA) nachweisen konnten. Im Gegenteil: Es stellten sich häufig sogar negative Auswirkungen dieser Präparate bezogen auf Herz-Kreislauf Erkrankungen oder Krebs heraus. Er stellt auch die berechtigte Frage, wieso man hierzu unzählige Studien durchführt, wenn diese zu 95% negative bis neutrale gesundheitliche Auswirkungen dieser Supplementation (Nahrungsergänzung) erbringen. Möchte man vielleicht gerne den Prozentsatz von 5% positiven Ergebnissen etwas erhöhen? Wozu? Warum wird auf diese doch ziemlich eindeutigen Ergebnisse nicht reagiert? Ich denke, diese Fragen sind auch für jeden Verbraucher leicht zu beantworten - jedenfalls, wenn ihn das Wissen über die Existenz und die Ergebnisse dieser Studien erreicht hat. Allein in der Zeit zwischen 2005 und 2012 wurden mehr als 2 Dutzend Studien in den führenden medizinischen Zeitschriften veröffentlicht, von denen sich ein Großteil mit der Frage beschäftigte, ob Menschen mit einer Disposition für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von der Einnahme von solchen Nahrungsergänzungsmitteln profitieren können. Bis auf zwei, zeigten alle diese Studien, dass die Einnahme dieser Mittel im Vergleich zu den Placebo-Gruppen keinerlei Verbesserung ergab. Diese und vergleichbare Studien sind öffentlich einseh- und nachprüfbar und es gibt sie bereits seit den 90er Jahren.(1)

Ein weiterer Punkt, der mir bei Peskin gefiel ist der, dass er betont, dass diese langkettigen Omega-3 Fettsäuren (EPA u. DHA) unglaublich leicht auf Wärme, Sauerstoff und Licht reagieren. Jeder ÖEKler weiß, wie sorgsam man schon mit dem Leinöl umgehen muss, vom Zeitpunkt der Herstellung, bis zu dem Moment, an dem es durch den Mund ins Innere des Organismus verschwindet. Die Fettsäuren, um die es hier aber geht (DHA und EPA) sind noch viel labiler und empfindlicher als das Leinöl selbst. Es scheint wirklich ziemlich unmöglich diese Fette aus den Fischen zu extrahieren, sie zu isolieren, sie zu entgiften (Schwermetalle, PCBs und vieles andere muss entfernt werden), sie in Kapseln abzufüllen, sie zu lagern, zu transportieren, sie in Geschäften in Regalen (zumindest hier bei Zimmertemperatur) auf Kunden warten zu lassen - ohne sie dabei komplett zu zerstören. Das gilt übrigens auch für die aus Algen produzierten Fettsäuren, denen bei sachgerechter Produktion lediglich der eine Schritt der Entgiftung erspart werden kann. Laut einer norwegischen Studie sind mehr als 95% der am Markt erhältlichen Fischölprodukte bereits ranzig, bevor sie den Kühlschrank des Konsumenten erreichen - wenn sie diesen überhaupt erreichen und nicht bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Das ist doch unglaublich, besonders angesichts der Tatsache, dass es sich bei Fischölkapseln (bzw. Omega-3 Nahrungsergänzungsmitteln allgemein) um das Nahrungsergänzungsmittel handelt, welches in den Staaten am dritt häufigsten verkauft wird (nach Vitamin- und Mineralienpräparaten).

Diese hochempfindliche Fettsäuren sind an ihrer Quelle, nämlich in der kalten Tiefsee, dazu da, dass sie trotz der tiefen Temperaturen nicht fest werden, sondern auch hier noch flüssig bleiben und ihre Funktion erfüllen können. Dort unten ist es übrigens nicht nur kalt, sondern auch dunkel und sauerstoffarm, also ideale Bedingungen für diese Fettsäuren. Dass diese Bedingungen während des gesamten Verarbeitungsprozesses nicht aufrecht erhalten werden kann, ist offensichtlich. Am Ende dieses Prozesses sind die Fettsäuren zwar noch immer das Produkt, welches verkauft wird, aber seiner Funktionsfähigkeit beraubt. Ob das der Grund dafür ist, dass die ganzen Studien zur Supplementierung von DHA und EPA keine positiven Ergebnisse gezeigt haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Das liegt im Bereich des Möglichen, ist aber für die Resultate der Studien unerheblich.

Peskin unterscheidet zwischen parental (elterlichen) Fettsäuren, also Linolsäure (Omega-6) und Linolensäure (Omega-3) und den Fettsäuren, welche im Organismus aus diesen hergestellt werden (DHA + EPA). Diese "elterlichen" Fettsäuren nennt er "PEOs" (parental essential oils). Er sagt sehr zutreffend, dass der entscheidende Punkt der ist, dass diese beiden vom Organismus weiter zu verarbeitenden Fettsäuren in hochwertiger Form über die Nahrung aufgenommen werden müssen.

Was mich an Peskin stört, ist sein anscheinend ziemlich aufgeblasenes Ego. Seine Wut darüber, dass diese unzähligen und ganz offen dokumentierten und auch im Netz abrufbaren Studien so beharrlich ignoriert werden kann ich gut verstehen. Wenn er aber durchscheinen lässt, dass er im Grunde der Einzige ist, der seit Otto Warburg erfolgreich dessen Problem mit dem zweiten Paarling bei der Autoxydation der lebendigen Zelle gelöst hat (das war eindeutig Budwigs Entdeckung, bereits Anfang der 50er Jahre) und sozusagen wissenschaftlich direkt "auf dessen Schultern steht" [Anm: wörtliche Übersetzung Peskins aus einem Radiointerview], dann muss ich doch sagen, dass diese Frechheit mir nun wieder die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nun könnte man vermuten, dass er noch nie von Budwig gehört hat, aber dem ist nicht so, denn im gleichen Radiointerview erwähnt er diese durchaus.

(Besagtes Radio-Interview finden Sie hier und einen Artikel Peskins zu diesem Thema mit verfolgbaren Quellen-Verweisen hier. Wie Alles von Peskin, ist auch dieser Artikel leider nur in englischer Sprache zu haben.)

Abschließend sei noch eine relativ aktuelle Studie aus dem Jahr 2010 (University of East Anglia, Norwich, United Kingdom) erwähnt (2), bei der es sich herausstellte, dass Vegetarier und Veganer zwar geringere Werte von DHA und EPA im Blut aufweisen als Fleisch- und Fischesser, diese Werte aber wesentlich höher sind, als sie im Vergleich zu erwarten gewesen wären. Das lässt den Schluss zu, dass der Organismus offensichtlich in der Lage ist, eine geringe oder ausbleibende Zufuhr dieser beiden Fettsäuren über die Nahrungsaufnahme auszugleichen, indem er die Eigenproduktion dieser Fette aus der 'elterlichen' Linolensäure (Leinöl) ankurbelt und steigert. Außerdem sollte der Omega-6 Anteil in der Ernährung nicht zu hoch sein, da Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren um die Enzyme Delta-6- als auch Delta-5-Desaturase konkurrieren, welche für die Umwandlung von Omega-3 Fettsäuren in DHA und EPA zuständig sind. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass genügend a-Linolensäure vorhanden ist, was bei einem ÖEKler ja auf jeden Fall gegeben ist.

Fazit:

Ich denke ein Fazit kann nun jeder Leser leicht für sich selbst ziehen, egal ob er die Öl-Eiweiß-Ernährung als Gesunden- oder als Krankenkost zu sich nimmt.

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© www.oel-eiweiss-kost.de 12/2015

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