Startseite Artikelübersicht Der Informations-Wirrwarr um Leinöl und die Omega-3-Fettsäuren Teil 2

Der Informations-Wirrwarr um Leinöl und die Omega-3-Fettsäuren
Teil 2

Zunächst interessiert hier natürlich die Frage:

Hat die kritische Bewertung des Leinöls irgendetwas mit der Arbeit Dr. Budwigs zu tun?

Die einfache Antwort ist:
Nein, nix null, nada.

Die Experten in meinem Filmchen: „Der Omega-3-Wirrwarr“ aus dem 1. Teil dieses Artikels, welche sich zu der Aussage versteigen, dass Leinöl keinerlei gesundheitlichen Wert hat, sind vielleicht noch nicht einmal dem Namen: „Budwig“ begegnet, geschweige denn, dass sie sich mit Dr. Budwigs Arbeit beschäftigt hätten. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen.

Ihr Blick ist offensichtlich ausschließlich auf die Frage gerichtet, ob der menschliche Organismus in der Lage ist, in ausreichenden Mengen ALA in EPA und dieses dann in DHA umzuwandeln. Und da ist eben die offizielle Lehrmeinung, dass das nicht der Fall ist. Genau an diesem Punkt gehen aber die Überzeugungen der beiden verschiedenen Ausrichtungen medizinischen Denkens auseinander (Wissenschaftsmediziner contra Erfahrungsmediziner). Diese beiden Begriffe beschreiben die beiden unterschiedlichen Sichtweisen natürlich nicht korrekt, denn beispielsweise Dr. Budwig oder Dr. Klinghard sind ja im Grunde auch Wissenschaftler (gewesen). Vielleicht bemüht man an dieser Stelle für die zuerst genannte Gruppe doch besser den Begriff: Schulmediziner, aber in dem Sinne, als dass diese all das, was sie im Laufe ihrer Ausbildung an Schule, Universität und durch Fortbildungen gelernt haben auf keinen Fall hinterfragen oder anzweifeln würden.

An dieser Stelle muss man sich auch die Frage stellen, wer eigentlich die Höhe des optimalen Omega-3-Indexes festlegt und auf welchen Daten das beruhen soll.

Der erste Teil dieses Artikels erklärte die Fettsäuren, deren Bezeichnungen und Funktionen im Organismus. Zusätzlich schilderte er im Grunde die offizielle Lehrmeinungen zu diesem Themenkomplex, welche sich in den beiden folgenden Aussagen konzentrieren lässt:

1. Der Organismus erhält ohne regelmäßigen Fischkonsum oder Nahrungsergänzungsmittel nicht genügend EPA und DHA.

2. Ein zu hoher Anteil an LA in der Ernährung führt zu überschießenden Entzündungsreaktionen im Körper

Die hochungesättigten Öle aus Kaltwasserfischen und Kaltwasseralgen (Nahrungsergänzungsmittel)

In diesem 2. Teil des Artikels, werde ich mich zunächst einmal kritisch mit der ersten der beiden Aussagen auseinandersetzen, denn sie ist nicht unumstritten. Das gilt auch für die 2. Aussage, aber dieser widme ich mich erst im 3. Teil dieses Artikels.

Auffallend ist auf jeden Fall, dass Erfahrungsmediziner, wie z. B. Probst, Brucker, Bircher, Budwig oder Klinghardt, keine Notwendigkeit einer Supplementierung dieser hochungesättigten Fettsäuren sehen oder sie überhaupt nicht erwähnen, weil sie die Beschäftigung mit dieser Frage bei einer guten Ernährung für überflüssig halten. Der Beitrag von Dr. Bircher Benner zum Thema: „Fettstoffwechselstörung und das Verhältnis von 'gutem' zu 'schlechtem' Cholesterin" beim Sender QS24 wurde von diesem leider wieder aus dem YouTube-Kanal des Senders entfernt. Auf diese Sendung bezog sich die so genannte „Korrektursendung“ mit Dr. Feldhaus, der dem Leinöl seinen gesundheitlichen Wert abspricht.

Recherchiert man beispielsweise in Dr. Budwigs Literatur nach Begriffen wie DHA oder EPA oder auch deren langen lateinischen Namen, so wird man nicht fündig. Das bedeutet aber nicht, dass ihr diese Fettsäuren und deren gesundheitlicher Wert nicht bekannt war.

„Die Fischöle haben in der Fettsäure-Kette 26, 28 oder 30 Glieder mit zahlreichen ungesättigten Bindungen. In dieser Form ist das Fischöl, auch der Lebertran, optimal für den Organismus, auf Grund der zahlreichen ungesättigten Bindungen des Elektronenreichtums, der Fähigkeit, sich an Eiweiß anzulagern und beim Aufbau neuer Materie mitzuwirken, weil die elektrische Dipolarität, die Zweipoligkeit zwischen Fett und Eiweiß, beim Wachstum der Zelle und beim Neuaufbau jeder Substanz auch bei erwachsenen Menschen unerlässlich sind.“ (Fette als wahre Hilfe, S.11)

An diesem Zitat kann man sehr schön erkennen, dass Dr. Budwig den Wert der langkettigen Fettsäuren der Fischöle sehr gut kannte, an ihnen aber den Reichtum an Elektronen besonders schätzte. Dass sie aber letztendlich das Leinöl als Elektronenspender auswählte hat ganz praktische Gründe, wie das folgende Zitat zeigt. Im Buch: „Tod des Tumors Bd.1“ beschreibt sie, wie sie während ihrer Zeit am Deutsche Institut für Fettforschung in Münster die Fettsäuren in verschiedenen Margarinesorten, aber eben nicht nur in diesen, untersuchte:

„Noch nicht einmal in Lebertran, der von Natur aus reich ist an elektronenreichen hochungesättigten Fetten, lagen diese Elektronen-Systeme funktionsfähig vor, ebensowenig in dem geprüften Sonnenblumenöl.“ (J. Budwig, Tod des Tumors Bd.1)

Dem kann man entnehmen, dass diese Öle im Originalzustand zwar im Grunde von gesundheitlich hohem Wert sind, diesen aber durch die Behandlung und Verarbeitung für den Lebensmittelhandel verlieren. Wer einmal den Geschmack von unraffiniertem Sonnenblumenöl probiert hat, der weiß, warum die Industrie diesem Öl durch spezielle Behandlung einen neutralen Geschmack verpasst. Gleichzeitig zerstört sie den gesundheitlichen Wert dieses Öls zusätzlich durch Verfahren, welche beispielsweise auch die Haltbarkeit verlängern. Das gilt wohl für die meisten Öle, die im Einzelhandel als Speiseöle an den Verbraucher gebracht werden bzw. von der Nahrungsmittelindustrie bei der Herstellung ihrer Produkte verwendet werden. Das ist auch der Grund, warum Dr. Budwig immer wieder mal vor dem Genuss der sogenannten „Teilchen“ warnte. Auch in diesen Backwaren wird nämlich entsprechendes Öl verwendet. In der Krankenkost kommen diese Kohlenhydratbömbchen natürlich auch wegen der enthaltenen Mehle und des Zuckers nicht in Frage.

Wenn Sie einmal auf den Verpackungen Ihrer Nahrungsmittel die aufgedruckten Inhaltsstoffe durchlesen, dann können Sie feststellen, in wie vielen Produkten dieses gesundheitlich wertlose Öl Verwendung findet. Wir kommen später darauf zurück, dass zwar immer darauf gepocht wird, dass wir zu viel LA (in der Regel das Omega-6 des Sonnenblumenöls) zu uns nehmen, aber sich anscheinend niemand dafür interessiert, dass es sich dabei um zerstörte Fettsäuren handelt. Aber dazu mehr im 3. Teil.

An dieser Stelle ist es vielleicht ganz passend einmal anzumerken, dass sich Sonnenblumenöl und Leinöl geschmacklich genau umgekehrt verhalten:

Zerstörtes Sonnenblumenöl schmeckt gut (oder sagen wir besser: „nach nichts“, also neutral) und verdorbenes Leinöl schmeckt schlecht. Bei den frischen, unzerstörten Ölen verhält es sich genau umgekehrt – zumindest was meine Geschmacksnerven betrifft.

Doch kommen wir nun erst einmal wieder zu den Nahrungsergänzungsmitteln zurück, welche uns mit ausreichend DHA und EPA versorgen sollen.

Angeboten werden sie in Form von Fischölkapseln oder, da "vegan" aktuell 'in' ist, auch Kapseln, welche diese Fettsäuren direkt aus Algen gewonnen enthalten. Außerdem sind die Öle auch in Fläschchen erhältlich oder werden anderen Ölen, z. B. dem Leinöl, von den Ölmühlen zugesetzt.

Ist es nicht interessant, dass diese Öle entweder in Kapseln oder, im Falle Öle in Flaschen, mit Geschmacksstoffen (Orange, Zitrone, …) angeboten werden. Wer als Kind noch Lebertran vorgesetzt bekam, weiß, dass er das Zeug aus geschmacklichen Gründen kaum runter gekriegt hat.

Hier kann man sich nun fragen, ob denn diese hochungesättigten Fischöle eben halt so schmecken, auch wenn sie frisch sind und noch in ihrer Cis-Formation vorliegen (im Gegensatz zu der zerstörten und oxidierten Trans-Formation). Ich gehe davon aus, dass dem nicht so ist, bzw. dass sie, nach allem was sie bereits hinter sich haben bis sie beim Verbraucher ankommen, nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vorliegen können. Ob der üble Geschmack nun von der Zerstörung kommt oder die Öle auch im unzerstörten Zustand so schmecken, spielt da wohl keine so große Rolle.

Wenn Sie nicht ganz am Anfang Ihrer Beschäftigung mit der Öl-Eiweiß-Kost stehen, dann wissen Sie, wie sorgsam man mit dem Leinöl umgehen muss, damit es nicht umkippt. Man muss es so gut es geht vor Licht, Wärme und Sauerstoff schützen. Aber auch in diesem Zustand lässt es sich nicht monatelang vor dem Verderben schützen. Dieses Thema ist an anderer Stelle dieser Website ausreichend erläutert.

Was macht das Leinöl, bzw. die darin enthaltene Ölsäure ALA, nun so empfindlich?

Das sind natürlich die 3 ungesättigten Bindungsstellen in ihrer Kohlenstoffkette. Sonnenblumenöl (LA) hat derer nur zwei und ist daher etwas unempfindlicher und die Ölsäure, von der im Olivenöl recht viel vorhanden ist hat nur eine ungesättigte Bindung in der Kette. Olivenöl ist daher noch weniger gefährdet ranzig zu werden (zu oxidieren).

Wenn wir nun unter diesen Gesichtspunkten die beiden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA betrachten, dann muss man feststellen, dass im Vergleich mit diesen, selbst das Leinöl noch relativ unempfindlich ist. EPA hat 5 Doppelbindungen und ist also fünffach ungesättigt und DHA sogar sechsfach ungesättigt. Die sind super geeignet für die dunkle und kalte Tiefsee und halten den Körper der Fische und ihre Zellmembranen beweglich, da Fettsäuren mit kürzeren Ketten und weniger ungesättigten Bindungsstellen unter diesen Bedingungen fest würden. Das wäre für solche Fische natürlich nicht sehr lustig und sie könnten dort bei Temperaturen von 0 – 4° Celsius nicht überleben. In unseren Kühlschränken ist es dagegen schon geradezu warm. Bei Zimmertemperatur sind diese Fettsäuren innerhalb kurzer Zeit zerstört. Mache sich jeder selber seine Gedanken darüber.

Jetzt taucht natürlich die Frage auf, wer denn einen Gewinn aus diesen Produkten zieht: Die Produzenten dieser Produkte, die aus dem Boden geschossenen Anbieter von den sogenannten Omega-3-Tests (Omegametrix & Co.), der gesundheitsbewusste Verbraucher oder alle drei?

Als ich den ersten Teil dieses Artikels schrieb, tendierte ich noch zu der Auffassung, dass wohl alle drei davon profitieren. Ich machte selber einen solchen Test und reicherte auf Grund des miserablen Testergebnisses (miserabel jedenfalls aus Sicht der Omega-3-Industrie, aber dazu später mehr) meine Quark-Leinöl-Creme mit der empfohlenen Tagesdosis dieser Öle an. Ich hatte vor, dann 6 Monate später einen weiteren Test zu machen, um zu sehen, ob sich meine Werte nun verbessert hätten. Allerdings haben mich weitere Recherchen für den 2. Teil dieses Artikels wieder davon abgebracht, mich auf einen Omega-3-Index-Wert zu puschen, der von den so genannten Omega-3-Spezialisten und den Verkäufern der entsprechenden Öle und Tests festgelegt und als „OK“ bezeichnet wird.

Der ein oder andere unter meinen Lesern wird nun denken: ‚Jetzt dreht er völlig ab. Nichts ist heute bekannter, als dass man durch Nahrungsergänzung oder Fischkonsum seinen Omega-3-Index in den grünen Bereich buxieren muss.‘ Ich gebe zu, dass man mit so einer Aussage heute, auch in alternativ denkenden Gruppen, ziemlich alleine dasteht.

Den meisten meiner Leser ist sicher Dr. Dietrich Klinghardt ein Begriff. Auch er gehörte früher in die Riege derer, die die unzureichende Wirksamkeit des Leinöls bezogen auf die Produktion von DHA und EPA im Organismus propagierten. Er betonte in seinen Vorträgen die Bedeutung von Fischöl (in Kapselform), da nur hierdurch der Bedarf an DHA und EPA gedeckt werden könne. Damals ging er also völlig konform mit der bis heute offiziell anerkannten Lehrmeinung.

Dr. Klinghardt ist auf Grund neuerer Studien umgeschwenkt und hält nun das Leinöl für die bessere Alternative, jedenfalls für Menschen ab dem 20. Lebensjahr. Das hängt damit zusammen, dass der Organismus im Aufbau und Wachstum erst langsam in die Lage versetzt wird, diese Umwandlung von ALA zu EPA und DHA durchzuführen.

Lassen wir ihn das selber beschreiben, es ist definitiv lohnenswert, sich diese 6 Minuten Zeit zu nehmen, auch wenn die Tonqualität leider nicht optimal ist:

Dr. Klinghardt über Leinöl

Nachdem ich das gehört hatte, konnte ich natürlich nicht umhin, mich selber mit dem von ihm erwähnten Prof. Brian Peskin und dessen Arbeit zu beschäftigen. Alle Informationen dazu sind leider nur in englischer Sprache erhältlich und die Hinzunahme der dadurch entstandenen Informationen zu diesem 2. Teil des Artikels hätten ihn im Umfang etwas zu sehr aufgeblasen. Auch kam mir nach dem Hören von Dr. Klinghardts Aussage, dass für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren eine Supplementierung dieser Fischöle sinnvoll sein könnte etwas komisch vor. Ich schließe diesen 2. Teil daher an dieser Stelle ab und verspreche, dass ich die Arbeit von Brian Peskin in einem 3. Teil erläutern werde.

Geschrieben werden muss er noch, aber einen Untertitel hat er schon:

"Gott macht keine Fehler"

 

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